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Liebe Mitglieder, gerade bei kritischen Themen stehen wir dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen zur Seite. Wir, das sind ausgewählte Kolleginnen und Kollegen, die unsere Führungsebene mit Fachwissen unterstützen. Zum Beispiel im weitläufigen Bereich der Arznei- und Heilmittelverordnungen sowie dem Prüfwesen.

Dr. Wolfgang LangHeinrich,
Vorstandsberater
Pharmakotherapie

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Verordnungen und Leitlinien

Medikationsplan: Das Wichtigste auf einen Blick

10.10.2018

Ab dem 1. Januar 2019 müssen alle Vertragsärzte und Apotheker in der Lage sein, einen elektronischen Medikationsplan (eMP) zu erstellen oder zu aktualisieren. Patienten, die mindestens drei systemisch wirkende Arzneimittel gleichzeitig nehmen, haben seit Oktober 2016 grundsätzlich Anspruch auf einen Medikationsplan. Der Medikationsplan auf Papier soll noch 2018 durch Angaben auf der elektronischen Gesundheitskarte ergänzt werden.

Wer erhält einen Medikationsplan?

Krankenversicherte, die gleichzeitig mindestens drei zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnete systemische Arzneimittel dauerhaft anwenden, haben Anspruch auf einen Medikationsplan. Diese Regelung gilt für Arzneimittel, die der Patient mindestens 28 Tage (dauerhaft) nehmen muss.

Systemisch wirkende Arzneimittel sind beispielsweise Inhalativa zur Behandlung von COPD oder Asthma oder Augentropfen zur Glaukombehandlung. Gleichzeitig heißt, dass die Anwendung oder pharmakologische Wirkung am gleichen Tag gegeben ist.
Andernfalls kann der verordnende Arzt einen Medikationsplan erstellen, muss es aber nicht.

Die rechtliche Grundlagen zum Medikationsplan stehen in § 31 a Abs. 1 S. 1 SGB V sowie dem Bundesmantelvertrag Ärzte (BMV-Ä),  § 29 a.

 

Wer muss den Medikationsplan ausstellen?

In der Regel erstellt der Hausarzt den Medikationsplan. Hat der Versicherte keinen Hausarzt für die Koordination seiner diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, sind auch die Fachärzte in der Pflicht. Der behandelnde Vertragsarzt muss den Medikationsplan dem Patienten erläutern und aushändigen.

 

Wann steht der elektronische Medikationsplan zur Verfügung ?

Im Laufe des Jahres 2018 soll der Medikationsplan auf Papier durch Angaben auf der elektronischen Gesundheitskarte ergänzt werden und der Produktivbetrieb des elektronischen Medikationsplans (eMP) starten. Die Pläne sollen weiterhin vom Hausarzt oder von dem Arzt ausgestellt werden, der hauptsächlich die Medikation eines Patienten überwacht.

Die gematik, die KBV und der GKV-Spitzenverband  haben Ende 2017 die erforderlichen Maßnahmen zur Einführung des elektronischen Medikationsplans festgelegt. Die Industrie muss im nächsten Schritt entsprechende Produkte liefern, damit der eMP in den Arztpraxen eingesetzt werden kann.

Folgende Voraussetzungen müssen in der Vertragsarztpraxis erfüllt werden, um diesen zu nutzen:

  • Anbindung an die Telematikinfrastruktur inklusive der notwendigen Komponenten (Konnektor, Kartenterminal, SMC-B Praxisausweis)

  • Update des Konnektors auf die Fachanwendung eMP

  • Update des Praxisverwaltungssystems für die Funktionen des eMP
  • mindestens ein stationäres Kartenterminal für einen sicheren Zugriff auf die eGK im Behandlungszimmer, in dem der Arzt den eMP erstellt oder bearbeitet

Was muss der Arzt im Medikationsplan dokumentieren?

  • Alle Arzneimittel, die dem Versicherten verordnet worden sind (auch die auf Privatrezept). Von anderen Vertragsärzten verordnete Arzneimittel sind mit aufzunehmen, sofern der Arzt ausreichend Kenntnis von diesen hat.
  • Alle Arzneimittel, die der Patient ohne Verschreibung anwendet (Selbstmedikation).
  • Hinweise zur Anwendung der Medikamente (Anwendungszeit und Dosierung, der  Anwendungsgrund sowie Einnahmehinweise im Kontext von Mahlzeiten oder  bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln und anderen Arzneimitteln).

Was gilt für die Aktualisierung des Medikationsplans?

Der Arzt, der den Medikationsplan ausstellt,  ist verpflichtet, diesen zu aktualisieren, sobald er die Medikation ändert oder er informiert wird, dass anderweitige Änderungen der Medikation bestehen.

Ab dem 1. Januar 2019 besteht der Anspruch des Versicherten auf Aktualisierung des Medikationsplans gegenüber jedem an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Arzt. Wenn der Patient dem Arzt oder der abgebenden Apotheke den Zugriff auf die Daten nach § 291a Absatz 3 Satz 1 Nummer 3 Sozialgesetzbuch V (SGB V) erlaubt, besteht auch gegenüber der Apotheke dieser Anspruch. Die Aktualisierungen müssen auf Wunsch des Patienten auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden.

Wichtig: Wenn der Patient es nicht wünscht, ist der Arzt nicht verpflichtet, Arzneimittel in den Medikationsplan zu übernehmen. Der Plan beinhaltet den Hinweis, dass Vollständigkeit und Aktualität der Daten zur Medikation nicht gewährleistet werden können. Dies heißt, der Medikationsplan enthält keine verpflichtende Unterschrift des Arztes oder Apothekers, sondern lediglich die Information, wer den jeweils letzten Ausdruck erstellt hat.

Welche Form muss der Medikationsplan haben?

Der Plan muss Folgendes enthalten: Angaben zur Identifikation des Versicherten, zum Arzt, zur Apotheke oder zu einer Einrichtung der Krankenversorgung, der oder die den Medikationsplan zuletzt ausgedruckt hat, einschließlich der Kontaktdaten sowie das Datum des letzten Ausdrucks.
Bei mehrseitigen Plänen müssen die Seitenzahl und die Gesamtzeitenzahl angegeben werden.
Solange der Medikationsplan noch nicht auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeichert ist, kann man ihn elektronisch via Barcode oder Scanner bearbeiten. Kann der weiterbehandelnde Arzt oder der Apotheker diesen nicht mehr elektronisch bearbeiten, dürfen sie Änderungen und Ergänzungen auch handschriftlich hinzufügen.

Welche Pflichten bestehen noch?

Jeder an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende Arzt muss den Patienten bei der Verordnung eines Arzneimittels über seinen Anspruch einen Medikationsplan informieren.
Die vertragsärztlichen Fachärzte müssen dem zur Ausstellung des Medikationsplans verpflichteten Arzt die Informationen zur Arzneimittelverordnung übermitteln, sofern der Versicherte hierzu eingewilligt hat.

Wie erfolgt die Vergütung?

Die Vergütung erfolgt pauschal als Einzelleistung und über Zuschläge. Sie wird extrabudgetär und damit zu einem festen Preis bezahlt.

Hausärzte sowie Kinder- und Jugendmediziner erhalten bei nicht chronisch kranken Patienten eine Einzelleistungsvergütung nach der GOP 01630 EBM. Die GOP kann einmal im Krankheitsfall abgerechnet werden. Etwaige Aktualisierungen des Medikationsplans sind damit abgegolten.
Bei chronisch kranken Patienten erhalten sie einen Zuschlag zur Chronikerpauschale (GOP 03222 / 04222 EBM).

Mit dem Zuschlag wird die Erstellung eines Medikationsplans und dessen Aktualisierung vergütet. Er wird leistungsunabhängig einmal im Behandlungsfall gezahlt, d.h. Ärzte erhalten ihn, unabhängig davon, ob sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben.

Für den Zuschlag gilt:

  • Keine Abrechenbarkeit neben dem hausärztlich geriatrischen Betreuungskomplex gemäß der GOP 03362 EBM
  • Der Zuschlag ist nicht berechnungsfähig, wenn im Krankheitsfall der Medikationsplan als Einzelleistung (GOP 01630 EBM) abgerechnet wurde.
  • Der Zuschlag wird von der KV unter Beachtung der Abrechnungsausschlüsse automatisch zugesetzt.

Fachärzte erhalten eine Einzelleistungsvergütung (GOP 01630 EBM) für Patienten, bei denen sie die fachgruppenspezifische Zusatzpauschale Onkologie, die GOP 30700 (Schmerztherapie) beziehungsweise die fachgruppenspezifische Zusatzpauschale für die Behandlung eines Transplantationsträgers abrechnen.

Sie erhalten einen Zuschlag zur fachärztlichen Grundpauschale.
Mit dem Zuschlag wird die Erstellung eines Medikationsplans und dessen Aktualisierung vergütet.

Der Zuschlag wird leistungsunabhängig einmal im Behandlungsfall gezahlt, das heißt Ärzte erhalten ihn, unabhängig davon, ob sie für den Patienten einen Plan erstellt oder aktualisiert haben.

Dafür gilt:

  • Die Höhe des Zuschlags ist je nach Fachgruppe unterschiedlich hoch.
  • Der Zuschlag ist in den 3 Quartalen, die der Berechnung der GOP 01630 EBM folgen, nicht berechnungsfähig.
  • Der Zuschlag wird von der KV unter Beachtung der Abrechnungsausschlüsse automatisch zugesetzt.

Kurz zusammengefasst:

Ab dem 1. Januar 2019 müssen alle Vertragsärzte und Apotheker in der Lage sein, einen mit der eGK gespeicherten Medikationsplan zu aktualisieren. Die Patienten entscheiden aber immer freiwillig, ob sie die Medikationsdaten speichern lassen möchten.

Der Versicherte entscheidet auch, wie er mit dem Medikationsplan umgehen möchte. Es steht in seiner eigenen Verantwortung, den Plan zu jedem Arztbesuch, beim Einlösen von Rezepten oder beim Erwerb von Selbstmedikationen mitzubringen und beim Arzt oder in der Apotheke vorzulegen.

Wenn der Medikationsplan im Rahmen einer Arzneimittelanamnese genutzt wird, ist zu beachten, dass die in dem Plan aufgeführten Informationen nicht aktuell und / oder nicht vollständig sein könnten.

Externe Links:

Bundesmantelvertrag Ärzte (KBV)

Sozialgesetzbuch V (Bundesjustizministerium)


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